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Kriegswarnung

Hätten Sie´s gewußt?

Duttweiler sah den Weltkrieg vorraus. Das Parlament stellte sich taub. Doch wie wir alle wissen, behielt Duttweiler recht.

Auszug aus dem deutschen Magazin "Der Spiegel" von 1954 (kursiv):

Auf das kunstvoll geschnitzte Rednerpult des Schweizer Parlaments, im Nationalratsgebäude zu Bern, stützte sich ein grauhaariger Mann, nahm in erregter Folge seine Goldrandbrille auf und ab und schwang sie drohend gegen die Versammlung.

Er sprach in aufrüttelnden Worten davon, daß bald wieder Krieg sein werde und daß es deshalb Zeit sei, Lebensmittelvorräte für das Land anzusammeln, notfalls "in Schulen und Kirchen". Aber die Nationalräte zeigten abweisende Gesichter, denn der Beschwörer vorn am Rednerpult hieß Gottlieb Duttweiler. Und das Wort dieses Mannes gilt zwar viel in seinen Hunderten von Schweizer Migros-Läden, das Parlament jedoch stellt sich oft in seltener Einmütigkeit gegen den Makkaronikönig.

Wie in Trance wankte der große schwere Mann nach seiner Rede auf den Wandelgang hinaus. Dort sprach ihn ein Bekannter, der Krawattenfabrikant Schettli, an. Duttweiler winkte ab und murmelte nur erregt: "Geh Schettli, hol mir schnell zwei Steine."

Duttweilers Freund aus dem verträumten Städtchen Biel wagte keinen Widerspruch. Umstehende eilten zum Telephon, um Duttweilers Frau Adele zu alarmieren, da der Gottlieb wieder einmal etwas Fürchterliches vorzuhaben schien.

Als die Glocke des Präsidenten die Abgeordneten wieder in den Saal rief, wurde verkündet, daß nur eine Handvoll von den etwa zweihundert Nationalräten für die Bevorratung von Lebensmitteln gestimmt hatte. Von spöttischen Bemerkungen verfolgt, daß es nun wohl nichts mit einer Umsatzbelebung seiner Migros-Genossenschaft sei, hastete Duttweiler mit rotem Kopf auf eine der vier Ausgangstüren zu.

Genau vor dieser Tür stand Schettli. Der Krawattenfabrikant patschte stolz auf seine aufgebauschten Manteltaschen und wollte gerade mit der Erzählung anheben, daß es ihm in der vorbildlich sauberen Hauptstadt Bern nur am Aare-Ufer möglich gewesen war, die Steine aufzutreiben, da hatte der Nationalrat Duttweiler die kiloschweren Steine schon in der Hand. Im nächsten Augenblick flogen sie durch die Scheiben. Das Glas zersplitterte, und

durch die ehrwürdigen Hallen des Schweizer Parlamentsgebäudes gellte Duttweilers Stimme: "Jetzt holt die Polizei, jetzt holt die Polizei!" 

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Bild oben: Pflastersteine vor dem Bundeshausgebäude (weitere Fotos vom Bundeshaus auf Der-Bund.ch)



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